Auf Wiedersehen, liebe Sabine Dinkel!

Lesenswertes

Liebe Bine,

auf dich aufmerksam wurde ich bei Twitter. Wenn ich mich richtig erinnere durch dein erstes Buch ‹‹Hochsensibel durch den Tag››. Eine Hamburger Kollegin. Ein Grund für eine Vernetzung.

Von deiner Krebserkrankung erfuhr ich Anfang 2016. Da hattest du bereits eine 8-Stunden-OP hinter dir. Trotzdem wurde mir nicht angst und bange, denn noch wusste ich nicht um die Aussichtslosigkeit deiner Diagnose.

Noch beruhigte ich mich. Hatten in meiner eigenen Familie nicht (fast) alle den Krebs überlebt? Warum sollte es ausgerechnet für dich keine Hoffnung geben?

Leider stiegen deine Tumormarker Ende 2016 erneut. Und du? Von Aufgabe keine Spur!

‹‹Meinen Humor kriegt der Krebs nicht!››

Krebs ist, wenn man trotzdem lacht

Dein MUTmach-Buch…

 

Deine Erkrankung und die damit verbundenen Gefühle verpacktest du bald humorig und wortgewandt in kleine Comic-Einheiten. Du erzähltest von deinem Leben auf dem Planeten Schnieptröte (Krebs) und von deinen Erlebnissen mit Hildegard (Angst). Ich lernte Familie Bauchfloh (Metastasen) kennen und ich erfuhr wie es ist, Schorle eingeflößt zu bekommen (Chemotherapie).

Wie oft habe ich geschmunzelt!

Wie oft auch gelacht.

Wie habe ich dich für diesen Umgang mit deiner Krankheit bewundert.

So viel Glückspeng (Momente des Wohlgefühls) trotz allem…

 

Deine grandiosen Wortkreationen haben den Krebs enttabuisiert!

 

Im Sommer 2018 las ich deinen Blog-Artikel ‹‹Die Kirschen in meinem Körbchen››. Du hast dich davor gefürchtet, deine Identität zu verlieren. Deine Bitte an uns, deine Leserinnen und Leser, deine Freundinnen und Freunde, deine Bitte an dein Netzwerk: Hilfe zum Kirschenpflücken für dein Körbchen!

Viele legten sofort los, auch ich. So kamen wir uns näher. Neben den sozialen Netzwerken schrieben wir uns nun.

Arschbombe in die Untiefen des Lebens

 

Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens

Deine große Kirsche…

Tatsächlich erfüllte sich dein Traum, einen Verlag für dein nächstes Buch zu finden.

Im November 2018 erschien dein wunderbares Comic-Tagebuch (d)einer Krebserkrankung ‹‹Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens››. Es folgten Interviews, Radio- und Fernsehauftritte, Lesungen, Workshops und so vieles mehr.

Dein Kirschkörbchen füllte sich.

 

Im Sommer 2019 erblickte deine ‹‹Strandgut-Poesie›› das Licht der Welt. ‹‹Wenn es am Meer aus dem Plastikmüll kichert›› weckte die Neugier der Ostsee-Liebhaberin in mir. Dein Aufstellkalender hat schnell einen festen Platz auf meinem Schreibtisch gefunden. Dein ‹‹Ichtuewas-Buch›› zaubert mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht…

 

So vergingen die Tage, in denen ich hauptsächlich via Twitter mit dir verbunden schien. Beinahe täglich nahm ich Anteil an dem, was du von deinem Leben mit Krebs wissen ließt.

Im April diesen Jahres, Corona hatte uns alle ziemlich überrascht, erschien dein letzter Blog-Artikel ‹‹Doofmannsgehilfen, Käpt’ns Dinner und tiefe Zufriedenheit››. Du hast diesen Beitrag mit den Worten beendet:

 

Mir fehlt gerade nix.

Das hatte ich so noch nie.

Kein Witz.

 

Beim Lesen deiner Zeilen erfasste mich eine wissende Traurigkeit.

 

Du warst gut vorbereitet. Du hattest dir rechtzeitig eine Sterbeamme, ein Palliativteam und ein Hospiz (in das du deine geliebten Bassets Wilma und Frieda mitnehmen konntest) gesucht. Dein Tod, so hast du uns lange vorher wissen lassen, trägt lila Jogginghosen. Das fandest du cool.

 

Am 20. Juli 2020 hast du deinen Durchschlupf gefunden und bist vorausgegangen.

 

Liebe Bine, danke für alles.
Danke für dein Sein.

 

Herzengrüße von Sinah

 

PS. Natürlich habe ich am Tag deiner Beerdigung ein Ringelshirt getragen, genau wie du es dir gewünscht hast.

 

Hinweis: Am 31. August 2020 erscheint Sabine Dinkels fünftes Buch ‹‹Gute Tage trotz Krebs!: Ein humorvolles Ausfüll- und Mutmachbuch rund um eine doofe Diagnose››.

 

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